Die 95 Prozent

Allgemein

Mit wem Kurz am Opernball tanzt

Worum’s geht: Die 5% feiern am Opernball. Wer dabei ist und wer vielleicht. Unvereinbarkeiten, Doppelgleisigkeiten, Eitelkeiten ohne Ende.

ÖVP, auch genannt „Heimat der Unvereinbarkeit“

Geradezu anything goes! Siehe:

Wieso passt Opernball-Oberchefin Maria Großbauer so gut zur ÖVP? Ganz einfach. Sie verkörpert ein leitendes Prinzip der ÖVP perfekt – die absolut schiefe Optik! Denn ja, Maria Großbauer organisiert weiterhin den Opernball, obwohl sie jetzt für die ÖVP im Parlament sitzt.

Und ja, den Opernball-Auftrag hat sie damals gekriegt wie ihr Mann Chef der Philharmoniker (quasi deckungsgleich mit dem Staatsopernorchester) war. Großbauer: „Nein, ich sehe hier keine Unvereinbarkeit“.

Hauptberuflich ist Maria Großbauer eben mittlerweile ÖVP-Kultursprecherin im Parlament (wobei sich das in den diversen Hefterln vor dem Ball anders las: da war wenig von Politik die Rede und viel von Kleidern, Swarovski-Krönchen und Blumenschmuck). Unvereinbar? Die anderen haben angefangen! Außerdem ist Frau Großbauer die Kultursache letztlich eh nicht so irre wichtig. Hat sie recht. Welche österreichische Kultursprecherin braucht schon Thomas Bernhard („… mh, erkenn‘ ich jetzt nicht“)? Dabei war der sogar ÖVP-Mitglied. Unter anderem. Aber das ist eine andere Geschichte. Heute abend jedenfalls wird Maria Großbauer tun, was sie am allerbesten kann: Den Gästen Alk servieren und His Bastiness hofieren! 

Wer zur Parallelgesellschaft am Opernball gehört

Dass wir uns als lächerliche Die 95 Prozent der Bevölkerung ohne Million am Konto im Angesicht der FPÖVP-Reichenregierung warm anziehen müssen, ist längst klar: FPÖVP planen ja den 12-Stunden-Tag, die Begrenzung der Mindestsicherung (Familie mit mehreren Kindern? Pech gehabt!) und Hartz IV (schau hier). Also Enteignung für Die 95 Prozent. Grund genug zum Feiern – für die reichsten 5%!

Dazu holt sich Sebastian Kurz heute abend neben der somalischen Menschenrechts-Aktivistin Waris Dirie den irischen Premier Leo Varadkar in seine Loge. Was wohl seine ÖVP-Menschenrechtssprecherin Gudrun Kugler dazu sagt? Immerhin tritt Kurz‘ Ballgast Varadkar offen für die rechtliche Gleichstellung Homosexueller ein (er hat sich kurz vor der irischen Abstimmung dazu öffentlich geoutet) und kommt heute mit seinem Partner. ÖVP-Menschenrechtssprecherin (oida!) Kugler ist aber vehemente Gegnerin der Gleichstellung (Abtreibung will sie natürlich auch nicht). Laut Recherchen des „Standard“ schrieb Kugler in einem Magazin des Mittelschul-Kartellverbandes sogar, dass die Homo-Ehe „unweigerlich zu Erweiterungen“ führe. Damit meint Kugler die „Ehe unter Geschwistern“. Gewagte Einschätzung. Aber so ist sie halt, die „Neue Gerechtigkeit“ von Sebastian Kurz.

Bleiben wir noch kurz beim Thema. Weil auch ein Aufeinandertreffen von Frau Kugler mit Kurz-Freund und Medien-Minister Gernot Blümel eine herrliche Vorstellung ist. Blümel kommt ja mit seiner Freundin Clivia Treidl zum Ball. Die ist Nackt-Model (und hatte sich einen Mann „mit gewissem Format“ gewünscht – ob sie den jetzt hat, ist wohl Geschmackssache).

Auch dabei: Nina „#metoo-Nein-danke“ Proll mit Schauspieler-Freund Gregor Bloeb, beide hegen – oh Wunder – Sympathien für den Kanzler.

Alles in allem bisher keine großen Überraschungen. Aber gleich, nach dem Falco!

Nehmen Sie hoch das Bein und treten Sie ein

Zwischenfrage: Ob Falco der heutige Abend im totalen Kurz-Glanz taugen würde? Wahrscheinlich nicht:

Am Ball bleiben

Ob sie heute alle aufkreuzen, wissen wir nicht. Einige wären aber schön blöd, sich jetzt nicht bei der anwesenden Regierungsspitze für die neuen Jobs zu bedanken. Hintergrund: Die FPÖVP-Reichenregierung arbeitet zwar nicht so gerne (Aktenzeichen Kinderbetreuung, Pflege, Belästigung & Armutsfalle ungelöst). Aber sie färbt gerne um! In den ÖBB-Aufsichtsrat hat FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer gerade „Personen, denen ich sehr vertraue“ gehievt:

  • Ex-FPÖ-Politiker und Rechtsanwalt und natürlich Burschenschafter Norbert Gugerbauer
  • Andreas Reichhardt: Natürlich auch Burschenschafter. Unvergessen die Turnübungen damals im Wald – mit dem jetzigen Vizekanzler Strache. Hauptjob heute auch was ganz schön Offizielles: Generalsekretär im Infrastrukturministerium. Eh scho wissen, die neu geschaffene Ebene in den Ministerien – die Generalsekretäre werden vom Minister ohne Ausschreibung eingesetzt, erhalten auf Wunsch  Beamtenstatus und haben Weisungsrecht über alle anderen Beamten.
  • Die Grazer Richterin und Anwältin Cattina Leitner. Hat zwar eben noch Irmgard Griss das nötige Kleingeld rübergeschoben, scheint politisch aber halbwegs flexibel, solange das Motto „immer den reichsten 5% nach“ bleibt. Gatte Wolfgang befehligt die Andritz AG (Wasserkraft, Zellstoff- und Papierindustrie). Und er wurde von der FPÖVP-Regierung auch gerade in einen wichtigen Job zur Steuerung von Firmen mit Staatsbeteiligung gesetzt: Ins Nominierungskomitee der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH. Vollgesaugt mit Insider-Wissen (und Steuergeld… ) können die Eheleute Leitner einander also beruflich UND privat mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sehr effizient!

Und jetzt unser allergrößtes Zucker-Schätzchen!

Die Wirtschafts-„Wissenschafterin“ und Chefin des Hayek-Instituts, Barbara Kolm! Bumm. „Die Frau, die den Staat nicht mag“, Frau „Der Staat mischt sich zu sehr ein“ nimmt von höchster staatlicher Stelle einen Job entgegen? Was???

Frau Kolm stiftet hier nicht zum ersten Mal Verwirrung! Schon 2016 hatte sie (damals als FPÖ-Kandidatin für den Rechnungshof) gelobt, ihre neoliberale Gesinnung habe nie eine Rolle für ihre Entscheidungen gespielt. Dazu stehen dass man neoliberal ist, aber sagen dass man nicht so entscheidet? Klingt nach Zauberkunst und vierter Dimension.

Dass das viele nicht-neoliberale Entscheiden Frau Kolm mal nur nicht von ihrer hauptsächlichen, ewigen Mission ablenkt: Uns das letzte Geld aus den Taschen ziehen.

Wie das geht, lest ihr unter der Opernball-Postkarte.

Frau Kolm und Herr Kurz

  • „Reform“, „modern“, „Sozialstaat 3.0“ sagen. Hartz IV („Soll der Staat auf Vermögen von Arbeitslosen zugreifen? Ja.“) meinen.
  • Vermögenssteuern? Geh bitte! „Zehn Prozent der Vermögenden schultern 60 Prozent des Steueraufkommens, sie leisten einen Beitrag fürs Allgemeinwohl – was wollen Sie mehr?“ (7.9.2011, „STANDARD“)
  • Weil eines ist ja wohl klar: Dass sich ein Budget „nie durch neue Steuern, sondern nur durch konsequente Einsparungen“ (= Kürzungen, siehe nächster Punkt) sanieren lässt. (Salzburger Nachrichten, 4.11.2011)
  • Schulsystem: Privatisieren!, Arbeiterkammern: Abschaffen (ja wirklich)! Trinkwasser: Privatisieren (geiles Video, sogar dem konservativen Spitzenmanager Claus Raidl fällt alles runter)! Weil nämlich: Privatisierungen tragen zur „langfristigen Investition in Infrastruktur“ bei. Richtig beruhigend, dass so eine Person jetzt im Aufsichtsrat der größten Verkehrs-Infrastruktur des Landes sitzt. Die würde sicher nicht mitmachen beim Privatisieren der Eisenbahn. Ganz bestimmt nicht.

Und damit wir jetzt alle so richtig geil Magenweh kriegen

Schauen wir uns noch eine oarge Grafik an! Weil ja, ist wahr: Das ärmste Prozent der Bevölkerung zahlt von seinen Einkünften mehr Steuern als das reichste! Wow! Gut, dass wir jetzt Leute an der Spitze der Regierung haben, die da für einen Ausgleich sorgen werden! (Alle Details zur vorliegenden Untersuchung gibt’s hier zum Lesen).

♥  ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ (8.2.2018, cat) ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Interessant zum Weiterlesen:

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